Offener Brief an Max Otte – Mut zur Wahrheit

Sehr geehrter Herr Prof. Otte,

mit großer Verwunderung nahm ich – und wohl auch viele andere – Ihr heutiges Schreiben zur Kenntnis, in dem Sie mitteilten, dass Sie vom Vorsitz des DES-Kuratoriums zurücktreten und das Kuratorium verlassen.

Selbstverständlich ist es das gute Recht eines jeden, einen einmal eingeschlagenen Weg wieder zu verlassen – ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Wenn man jedoch aus freien Stücken eine Begründung für seine Entscheidung wählt, sollte diese auch nachvollziehbar und im besten Falle nicht widersprüchlich sein. Das kann ich in Ihrem Fall leider nicht erkennen – ganz im Gegenteil.

Wie Sie richtig feststellten, wurden auf dem vergangenen AfD-Parteitag in Kalkar richtungsweisende Beschlüsse im Bereich Rente/Soziales gefasst. Nach langem Ringen konnten wir uns auf eine gemeinsame Linie einigen, die zu Recht als solidarisch und volksnah bezeichnet werden kann. Das von Ihnen so bezeichnete „Projekt einer neoliberal-libertären Partei inclusive Privatisierung der Renten“, hat keine Mehrheiten gefunden. Sofern Ihnen also die „sozialen Anliegen und Belage der Menschen in diesem Land besonders wichtig“ sind, wie Sie schreiben, müssten Sie genau dies unterstreichen, statt sich, mit Bezug auf eine – sicher heftig diskutierte – Rede unseres Co-Sprechers Prof. Meuthen, aus der parteinahen Stiftung zurückzuziehen.

Sie tun genau das, was Sie vorgeben, zu kritisieren. Im Wohlfühlraum der Werteunion werden Sie kaum einen messbaren Beitrag für eine bürgerlich-heimatverbundene Politik leisten. Die dort in Hinterzimmern diskutieren konservativen Thesen werden letztendlich doch nicht umgesetzt, die Werteunion ist längst zu einem zahnlosen Tiger in der CDU geworden. Dafür ist man dort allerdings auch nicht mit den unzähligen Anwürfen aus Altparteien und Mainstreammedien konfrontiert, die man im AfD-Umfeld Tag für Tag aushalten muss. Wenn man sich mit aller Kraft, unbeirrt und konsequent für den Erhalt unserer Heimat und Kultur einsetzt, zahlt man aktuell einen hohen Preis.

Es ist nachvollziehbar, dass nicht jeder bereit ist, diesen zu zahlen. Etwas vollkommen anderes ist es aber, das Geschäft des politischen Gegners zu betreiben. Das tun Sie, Herr Prof. Otte, wenn Sie behaupten, dass das öffentliche Ausfechten von kontroversen AfD-Positionen dazu führt, das „Entstehen einer bürgerlich-konservativen Mehrheit um Jahre zurückzuwerfen“. Die öffentliche Kommunikation, wie die Ihre, ist es, die uns zurückwirft!

Carsten Hütter, MdL Sachsen